Patrick Knuchel & Jakob Schreiter

 

Patrick Knuchel & Jakob Schreiter
31. Oktober – 6. November 2015
[…] Eine weitere inhärente Eigenschaft vieler dynamischer Systeme
ist Feedback. Feedback bedeutet, dass der Output eines Systems
diesem wieder als Input zugeführt wird. In der Folge werden in Systemen
mit Feedback selbst kleine Veränderungen einer Ausgangskonfiguration
schnell verstärkt, was in chaotischer globaler Dynamik münden
kann. Dies bedeutet, dass sich die Flugbahn des Systems im Zustandsraum
langfristig nicht vorhersagen lässt, selbst wenn die
Ausgangskonfiguration und sämtliche Interaktionen vollständig bekannt
sind. Schon mikroskopisch kleine und zufällige Schwankungen
im System, die sich durch positives Feedback selbst verstärken, können
daher in makroskopischen Rekonfigurationen des gesamten Systems
münden. Als Folge dieser Nichtlinearität lassen sich globale Zustandsänderungen
nicht einfach über die Kenntnis der Einzelteile des Systems
beschreiben und sind in diesem Sinne mehr bzw. anders als
die Summe ihrer Teile. Eine weitere Folge von Feedback sind zeitliche
Abhängigkeiten in sämtlichen Transformationsprozessen. Selbst
weit in der Vergangenheit liegende Ereignisse beeinflussen die Wahrscheinlichkeit,
dass ein System in der Gegenwart einen bestimmten
Zustand einnimmt. Das Besondere an zeitlichen Abhängigkeiten in
vielen komplexen Systemen ist ihre Dauer. So lassen sich zeitliche Abhängigkeiten
oft über extrem lange Zeiträume feststellen: gegenwärtige Ereignisse beeinflussen einen
Systemzustand also bis weit in die Zukunft – man kann sagen, Zustandstransformationen
in vielen dynamischen Systemen unterliegen einem Langzeitgedächtnis. Dynamische
Systeme agieren jedoch selten in Isolation, meist stehen einzelne
Systeme in Interaktion mit anderen Systemen. […]
Pfeffer, Thomas: „Delta 15, Zustandsräume“, in: Lerchenfeld Nr. 30, Oktober 2015, HFBK Hamburg, S. 4-7.

 

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